Der Erbschein – warum dauert das so lange – Alternativen?

Im Erbschein stellt das Nachlassgericht den oder die Erben fest.

Beispiel: Die einzige Tochter ist Alleinerbin ihrer Mutter. Es gibt kein Testament. Vor allem zur Vorlage beim Grundbuchamt, der Versicherung und der Bank braucht sie einen Erbschein, den sie beim Nachlassgericht gleich nach dem Erbfall beantragt. Das Verfahren zieht sich über viele Monate hin. In dieser Zeit ist der Zugang zum Nachlass für sie gesperrt. Das bedeutet für sie wirtschaftliche Nachteile. Eine Alternative hat sie nicht. Sie muss sich gedulden. Wenn sie endlich an die Reihe kommt, geht es schnell. Ihr Fall ist nicht kompliziert.

Zunehmende Anzahl von Erbfällen und unter anderem komplizierte familiäre Strukturen, vermeintlich steuergünstige Rechtskonstruktionen, oft mit Auslandssachverhalten verbunden, mehrfache, vielleicht sogar wechselnde Staatsbürgerschaften und die zunehmende Lust der Erblasser umfassende testamentarische Verfügungen zu erstellen, führen dazu, dass sich in den Nachlassgerichten die Akten stapeln, die Anträge oft nur ein Aktenzeichen erhalten und im Übrigen lange unbearbeitet liegen bleiben (müssen). Betroffen sind dann auch die einfachen Fälle, wie hier der Fall der Tochter.

Eine Alternative wäre zu Lebzeiten der Erblasserin gewesen, wenn sie ein notarielles Testament hätte beurkunden lassen. Dieses kann den Erbschein ersetzen, wenn es widerspruchsfrei und unangreifbar durchgesetzt werden kann.

Eine weitere Alternative kann jedoch auch sein, dem Nachlassgericht vollständige und hilfreiche Informationen zukommen zu lassen. Das empfiehlt sich zu komplizierten Sachverhalten und zu ungewöhnlichen Rechtslagen, z.B. mit Auslandsberührung. Z.B. ist es hilfreich zu erklären, dass für ein Europäisches Nachlasszeugnis, das zur Vorlage für den in Schweden befindlichen Nachlass beantragt wird, bestimmte Formularabschnitte auch auszufüllen sind, die, wenn sie zur Vorlage z.B. in der Schweiz beantragt werden, nicht benötigt werden. Denn Schweden hat ein anderes Verständnis des Erbrechts als Schweiz und Deutschland. Letztere haben ein ähnliches, wenngleich nicht gleiches Verständnis des Erbrechts. Richtige und wichtige Informationen ersparen dem Nachlassgericht Fehler, Rückfragen, und Recherchen. Vor allem erspart es allen Beteiligten Zeit und ist somit wirtschaftlich günstig.

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